Welche sozialen Gruppen werden von den Bürgern als berechtigt (deserving) angesehen, von einer unterstützenden Politik zu profitieren? Die Forschung zur Berechtigung für Sozialleistungen hat lange Zeit relativ homogene Vorstellungen von Deservingsness betont, was Bedenken aufkommen ließ, dass Gruppen, die weithin als nicht berechtigt angesehen werden, bei der Politikgestaltung systematisch benachteiligt werden könnten. Neuere Erkenntnisse deuten auf Unterschiede in der Wahrnehmung von Anspruchsberechtigung hin, die je nach geografischem Raum, Zeitpunkt und Individuum variieren. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen und auf Studien, die bestimmte Gruppen isoliert betrachten, vertreten wir die These, dass Ideologie die unterschiedliche Wahrnehmung sozialer Gruppen systematisch prägt. Da Personen mit linker und rechter Gesinnung unterschiedliche Aspekte priorisieren – die Bedürfnisse von Gruppen auf der linken Seite, Leistung, Gegenseitigkeit und Identität auf der rechten Seite – erwarten wir, dass sie sich hinsichtlich des Grades an Anspruchsberechtigung, den sie den meisten Gruppen zuschreiben, unterscheiden. Auf der Grundlage von Umfragedaten, die unter 5.541 deutschen und 6.020 französischen Bürgern erhoben wurden, liefern wir einzigartige Belege für die wahrgenommene Berechtigung einer Vielzahl politisch salienter Zielgruppen, indem wir in zwei verschiedenen Kontexten eine gruppenübergreifende Perspektive einnehmen. Modelle mit gekreuzten Zufallseffekten zeigen die erwarteten ideologischen Gräben für die meisten Gruppen auf. Diese Gräben schaffen Anreize für politische Parteien, um den Wettbewerb „Wer bekommt was?“ zu führen und dadurch vielfältige Interessen zu vertreten, einschließlich derer von Gruppen, die im Durchschnitt als weniger berechtigt angesehen werden.
Who deserves? Ideological gaps in citizens’ deservingness perceptions

Kurzbeschreibung:
Die Forschung zur Anspruchsberechtigung sozialer Gruppen ging lange von weitgehend homogenen gesellschaftlichen Vorstellungen aus. Die vorliegende Studie analysiert auf Grundlage von Befragungsdaten aus Deutschland und Frankreich, wie sich die politische Ideologie von Bürgerinnen und Bürgern auf die Zuschreibung von Anspruchsberechtigung gegenüber unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen auswirkt. Die Ergebnisse zeigen ideologischen Gräben auf.
