Politische Parteien richten ihre Wahlversprechen häufig an bestimmte soziale Gruppen, doch es fehlen Belege dafür, ob eine solche Ausrichtung größere Wahlerfolge bringt als breit angelegte, universelle Versprechen. Wir schließen diese Lücke mit einem vorab registrierten Umfrageexperiment, das 2024 in Deutschland durchgeführt wurde (N = 3.500). Wir konfrontieren die Befragten mit einem fiktiven Wahlkampfszenario, in dem Plakate entweder zusätzliche öffentliche Ausgaben für die allgemeine Bevölkerung (breit angelegtes Versprechen) oder für eine bestimmte Gruppe – Eltern, Rentner oder Landbewohner (gruppenorientiertes Versprechen) – versprechen, und untersuchen, wie die Wähler darauf reagieren. Wir gehen davon aus, dass eine Gruppenausrichtung die Sichtbarkeit der Verbindungen zwischen Partei und Gruppe erhöhen und somit die Unterstützung bei Wählern steigern sollte, die (1) der Zielgruppe angehören, (2) sich mit dieser Gruppe identifizieren und/oder (3) sie als unterstützenswert (deserving) ansehen. Gleichzeitig könnte sie andere abschrecken, die solche Versprechen als ungerecht empfinden. Wir finden keine konsistenten Belege dafür, dass gruppenspezifische Wahlversprechen bei der Generierung von Wählerunterstützung besser abschneiden als breit angelegte – selbst unter den beabsichtigten Begünstigten. Stattdessen werden die Reaktionen auf gezielte Appelle stark durch Gruppenzugehörigkeit und Wahrnehmung gemildert: Die Unterstützung bleibt unter den beabsichtigten Begünstigten stabil oder leicht geringer, sinkt jedoch bei anderen Befragten erheblich. Diese Muster deuten darauf hin, dass gruppenspezifische Versprechen, anstatt Netto-Wahlgewinne zu sichern, durch Ausgrenzung bedingte Verluste hervorrufen können, die die begrenzte Anziehungskraft innerhalb der Gruppe überwiegen. Allgemeiner betrachtet verdeutlicht die Studie, wie Identitäts- und Deservingsness-Wahrnehmungen die Reaktionen der Wähler auf realistische Wahlversprechen prägen – und wie selbst Appelle an normativ „verdiente“ oder mehrheitliche Gruppen das Risiko bergen, die Wählerunterstützung eher einzuschränken als zu erweitern.
Risky appeals: The electoral consequences of group-targeted campaign pledges

Kurzbeschreibung:
Politische Parteien richten ihre Wahlversprechen häufig an bestimmte soziale Gruppen. Diese Studie von Prof. Dr. Theres Matthieß und Kolleginnen untersucht, ob diese Herangehensweise bessere Wahlerfolge verspricht als breit angelegte, universelle Versprechen. Die Ergebnisse können das nicht bestätigen und deuten eher auf einen Ausgrenzungseffekt hin.
